Bendickt Stempfli und Maria Löffel

Dr. Theodor Mayer, in erster Ehe verheiratet mit Erna Stempel, ein hervorragender Ahnenforscher, vermutete bereits eine Abstammung aus der Schweiz(Erna Stempel war Tochter von Ludwig Stempel Reg. Rat in Landau * 1857, + 1929 und Schwester von Helmuth Stempel, Rechtsrat, * 1891). Die Namensform mit dem Endungs "i" oder auch mit "y" geschrieben legte diesen Gedanken nahe. 1949 teilte er mir brieflich mit "die unübersehbaren schweizer Traditionen" in der Familie hätten ihm diese Meinung bestätigt. Leider konnte ich nicht mehr klären in welcher Form er diese Traditionen festgestellt hat. In seinem Nachlaß im Landesarchiv in Speyer fand ich 1987 einen Brief vom 22. Dezember 1934 in dem ein Mitarbeiter des Staatsarchives Bern ein an dorthin gerichtetes Schreiben beantwortet:

Die bernischen Stämpfli sind ein alteingesessenes, noch heute zahlreiches Geschlecht, dessen Stammsitze in mehreren Gemeinden nördlich und nordwestlich von der Hauptstadt Bern sich befinden: Bolligen, Vechigen, Wohlen, Kirchlindach, Meikirch, Schüpfen, Moosseedorf, Seedorf. Durch Abwanderung ist das Geschlecht auch nach Oberhofen am Thunersee verpflanzt worden.

Diese Erkenntnisse lagen also bereits seit 1934 vor. Dr. Hans Zimmermann, ein ebenfalls ahnenforschender Vetter, dessen Mutter eine geb. Stempel, Schwester meines Vaters (Ludwig Dr.med. * 1886, + 1943) war, fand den Zusammenhang mit Seedorf, Kanton Bern, in der Schweiz.

1987 habe ich mit der Verwaltung der Einwohnergemeinde Seedorf Kontakt aufgenommen und in der Zivilstandsbeamtin Frau Liechti eine vertsändnisvolle und hilfsbereite Briefpartnerin gefunden. Sie vermittelte auch einen "Zugangsberechtigten" Genealogen, der in meinem Auftrag die Kirchenbücher, die in der Schweiz Rodel, als Mehrzahl Rödel heißen, durchgesehen hat. Der Schlüsseleintrag, der schon Dr. Zimmermann bekannt war, fand sich im Taufrodel II:

1631     (02. Oktober)
October
  Item eodem:
Inf. Niclaus wohnt nun in der
Pfalz
1644
Par.   Bendicht Stempfly

Maria Löffel

In Seedorf konnten im Taufrodel II insgesamt 5 Kinder der Eheleute Bendicht Stempfli und Maria Löffel nachgewiesen werden. Taufdaten:

Niclaus 02.10.1631
Maria 00.11.1633
Barbli 03.02.1638
Elsbeth 09.05.1641
Bendicht 05.03.1643

Obwohl außer Nickel I kein weiteres bisher aufgeführtes Mitglied dieser Familie in der Pfalz nachweisbar war, scheint ein Zusammenhang doch mehr als wahrscheinlich.

Da Sohn Bendicht im März 1643 in Seedorf getauft wurde und bei Niclaus nachträglich das "wohnt nun in der Pfalz 1644" eingetragen wurde, muß die Auswanderung in dieser Zeitspanne erfolgt sein, also noch während des 30jährigen Krieges (1618-1648). Die Einwanderung in die Pfalz wurde systematisch gefördert durch Privilegien, die aber später wieder rückgängig gemacht wurden. Der Bevölkerungsdruck in der vom Kriege nicht direkt betroffenen Schweiz unterstützte die Wanderungsbewegung. 1648 läßt sich die Familie indirekt für Wachenheim nachweisen. Darüber mehr im nächsten Kapitel.

Die Auswertung der Tauf- und Eherodel konnte Namensträger bis etwa zum Jahre 1557 nachweisen. Der Zusammenhang ist jedoch mit den Daten aus Seedorf nicht sicher zu erbringen (die Heirat von Bendicht und Maria Löffel ist in Seedorf nicht dokumentiert).

Die Rödel befinden sich nicht mehr in Seedorf. Sie sind jetzt zentral im Staatsarchiv Bern, Falkenplatz 4, CH 3012 Bern, untergebracht. Mit einiger Sicherheit können dort bei systematischer Nachsuche auch in den Rödeln der umliegenden Ortschaften noch wesentliche Zusammenhänge erforscht werden.

1644 Im Jahre 1644 flüchtete die Wachenheimer Bevölkerung zunächst "mehrenteils," ab Juli wieder "jedermann" auf die Hardenburg. Sie blieb dort für ein Jahr.
1618-1648 Aber auch nach der nominellen Beendigung des 30jährigen Krieges traten keine Friedensverhältnisse ein. In Neustadt war ein französischer Kommandant mit seinen Truppen, in Frankenthal standen Spanier, die mit ihren Ausfällen bis nach Neustadt vordrangen.
1664-1670 Im Jahre 1664 begann der "Pfälzische Wildfangstreit", dessen kriegerische Auseinandersetzungen sich bis in das Jahr 1670 hinzogen.
1666/1667 Dazwischen lagen die beiden Pestjahre 1666 und 1667.
1673/1674 Im Kriege den Ludwig der IV. mit dem Kaiser führte, marschierte Marschall Turenne mit seinen Truppen durch das Gebiet und im Jahre darauf rückte ein französisches Heer in die jetzt direkt am Kriege beteiligte Pfalz ein und richtete große Verheerungen an.
1680-1683 Der 1679 zustande gekommene Frieden wurde bereits ein Jahr darauf durch den Reunionskrieg abgelöst.
1688-1697 Nach einer kurzen Friedenszeit brach der "Pfälzische Erbfolgekrieg" aus, der die notleidende Bevölkerung für lange Jahre in Atem hielt.
1689 1689 wurde Wachenheim mit vielen anderen Orten niedergebrannt.
1701-1714 Der Wiederaufbau war noch nicht vollendet, als neuerlich der "Spanische Erbfolgekrieg" den Einwohnern große Opfer abverlangte. Erst nach dieser Zeit kam das Land zur Ruhe.

Dies waren, grob skizziert, die Ereignisse die auch unsere Einwanderer aus der Schweiz miterleben mußten. Für viele von ihnen waren diese und natürlich auch die finanziellen Belastungen des sich ständig wiederholenden Neuanfanges und der drückenden Steuern mit ein Beweggrund sich der Aus- bzw. Weiterwanderung besonders nach Nordamerika anzuschließen. Diese setzte in Wachenheim um das Jahr 1732 ein.

(Teilweise zitiert nach Fritz Wendel, Geschichte der Stadt Wachenheim)

Nächstes Kapitel:  Amerika und die Stemple-Family