Nickel I

Nickel Stempel der Zimmermann
Nickel Stempel der Alt

In den Almosenrechnungen der reformierten Gemeinde Wachenheim wurden die Einnahmen und Ausgaben der Almosenkasse notiert. Diese ind von 1579 - 1687 vorhanden. (LKA Speyer Abt. 44 Wachenheim Nr. 72). Es handelt sich um hochformatige Hefte mit den Maßen 10 cm x 30 cm. Auch die Einnahmen bei Sammlungen anläßlich von Hochzeiten sind eingetragen. Im Jahre 1655 findet sich der kurze Vermerk:

6 G 6 X bei Niclas Stempfly Hochzeit

Den gesammelten 6 Gulden und 6 Kreuzern verdanken wir den bisher ältesten Nachweis unserer Vorfahren in der Pfalz. Erst am 4.August 1669 erfahren wir, diesmal aus den Ratsprotokollen der Stadt Wachenheim, wieder etwas. Auf Seite 44 und deren Rückseite wird ein umfangreicher Verkauf dokumentiert, bei welchem Nickel I "Feldgüter" im Werte von 400 Gulden veräußert:

Ueberschaffbrief.

Nickel Stempfly Bürger und Zimmermann alhier
verkaufft nachfolgende in alhiesiger gemarkung liegende
Feldgüter, alß nemblich Fünf Viertel Weingarten ...

Im Jahre 1681 findet sich wieder ein Eintrag in welchem Nickel I mit erwähnt ist:

Actum Wachenheim den 2. ten Feb: 1681

Mit Nickel Stempli, Ullrich Schuttern undt
Daniel Joachim, samptlichen Zimmermeist
ern allhier ist...

Es handelt sich um eine Vereinbarung zur Errichtung eines Glockenstuhles auf der "Holtzpforten". Ein familiengeschichtlich wichtiger Eintrag in den Ratsprotokollen ist auf Seite 92 in Nr. 53 zu finden:

Actum Wachenheim den 3. ten May 1682.
Gottfried Stempel noch lediger gesell, verkaufft
mit Verwilligung seines Vatters Nickel Stempel
vor sich und alle seine Erben...

Hier taucht erstmals der Name Gottfried auf, der uns beim Weiterforschen wiederholt begegnen wird. Es darf an Johann Gottfried in Lambsheim erinnert werden, der erst im Herbst 1992 aufgefunden wurde. Dieser "noch ledige gesell" dürfte also im heiratsfähigen Alter gewesen sein sonst hätte man das "noch ledig" nicht betont. Daß er mit "Verwilligung"des Vaters verkauft läßt annehmen, daß er wohl die zwanzig Jahre noch nicht sehr weit überschritten hatte. Es wird derselbe Gottfried sein der am 1. Dezember 1700 in den Ratsprotokollen (Seite 126) anzeigt, er habe von Johannes Hocker ein Gärtlein an der Kirchpforte gekauft.

Doch zurück zu Nickel I. Am 3.September 1687 findet sich der "Tausch und Vertausch im beisein des Sohnes Marx Stempli":

Eod: Zwischen Nickel Stempli dem alten undt Barbara
Eheleuthe an einem, sodann Henrich Schmidten...

Wir erfahren: Nickel I war mit Barbara verheiratet und hatte auch einen Sohn Max. Im Protokoll werden Nickel I und Max am Anfang "Stempli" genannt. Im Vertragstext dann auch zweimal schon Stempel.

Das Schatzungsregister vom 9.April 1685 weist unter Nummer 89 aus:

Nicolaus Stempfli
Feldgütter 200 Gulden  45 Kreuzer
Der Hauß Platz ist ödt    
Das Zimmerhandwerk 100 Gulden
  300 Gulden;
Beschwerdte 42 G  51 x  2 Gr
  257 G  53 x  6 Gr
Bleiben 260 Gulden

Beschwerdte sind Verbindlichkeiten.

Die Städte Wachenheim und Bad Dürkheim sind unmittelbar benachbart, ungefähr eine halbe Gehstunde. Ein Ortsteil von Dürkheim ist heute Ort und Burg Hardenburg. Diese Burg war in unsicheren Zeiten Zuflucht der Bevölkerung. Sie war der Sitz der Grafen von Leiningen die später gefürstet wurden. Die Leininger waren Lutheraner und mit ihnen auch ihre Untertanen. Unter den Bediensteten der Grafen von Leiningen gab es den Schloßsoldaten Stempel, sowie Köche desselben Namens und den Kammerdiener Stempel. Der Zusammenhang mit den Wachenheimer Namensträgern ist wahrscheinlich, jedoch bis heute (1993) nicht nachgewiesen. Da die Hardenburger Stempels wie ihre Dienstherren Lutheraner waren und die Wachenheimer dem reformierten Glauben angehörten, mag dies der Grund sein, daß Zeugen bei kirchlichen Handlungen von der jeweils andernen Linie nicht nachweisbar sind.

Die Hardenburg-Linie wird erst ab etwa 1700 besser verfolgbar. Ein Johann Jakob Stempel, als Schloßsoldat und Musquetier bezeichnet, ist rechnerisch um 1691 geboren. Die Möglichkeit besteht, daß es sich um einen Stempfli Nachkommen handelt, der aus Wachenheim stammt und in den kritischen Jahren um 1644, als die Bevölkerung auf der Hardenburg weilte, in die Dienste der Leininger getreten ist. Das Suchen im "Fürstlich-leiningischen-Archiv" in 8762 Amorbach darüber etwas zu erfahren war ohne Erfolg. Die Linie ist allerdings im 18. Jahrhundert im Mannesstamm erloschen

Reformierte und Lutheraner standen damals nicht gut miteinander. Im lutherischen Kirchenbuch von Bad Dürkheim finden sich trotzdem zwei Eintragungen. Das KB befindet sich im LA Speyer:

A.1674
Samstags den 1.Augustus starb auff Harden-
burg Hanß Leonhard ein Kindlein
12 Wochen alt ? ? ? :Niclauß
Stempels, bürger und Zimmermannß zu
Wachenheim und Barbara Susanne
eius uxoris Söhnlein:ward item (?) die
begraben.

A.1676
Freytags auf Matthias den 25.Februar
getauft Anna Barbara, Niclauß Stem-
pelis, Zimmermans, und Barbara deßen
Haußfrau Töchterlein.waren gevattern, Marx
Glock, bürger und glöckner zu Wachenheim
und deßen Haußfrau.

Damit sind die bis heute in der Pfalz aufgefundenen Daten über Nickel I auch schon erschöpft.

Von 1631-1662 fehlen leider die Ratsprotokolle von Wachenheim. Und gerade in dieser Dokumentationslücke muß die Bürgerannahme unserer Vorfahren in Wachenheim liegen.

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