Nickel II

Meister Nickel Stempel der Schreiner

Nickel Stempel der Jung

Am 20.05.1710 begegnet uns Nickel II erstmals im KB von Wachenheim bei der Taufe des Johann Nickel Speyrer, als Vater des Taufzeugen Johann Nickel (Nikolaus) Stempel:

Es hat spondiert Johann Nickel
Stempel, Meister Nickel Stempels
Bürger und Schreiner Allhier ehel.
Sohn

Da Meister Nickels Vater ebenfalls Nickel genannt wurde, hat es sich als sinnvoll erwiesen, die beiden Vorfahren als Nickel I und Nickel II zu bezeichnen. Das Geburtsdatum von Nickel II ist nicht belegt. Die Rückrechnung auf das vermutliche Geburtsdatum wird durch zwei verschiedene Angaben nicht erleichtert. Sein Sohn Johann Nikolaus schreibt 1732 , daß der Vater jetzt "ohngefähr wird 78 Jahre sein." Nickel II selbst gab sein Alter bei der Schiffspassage nach Amerika mit 70 Jahren an. Natürlich läßt sich vermuten, wäre Nickel II wirklich 70 Jahre alt gewesen, hätte er wahrscheinlich einige Jahre unterschlagen, um als Endsechziger zu gelten. In Wachenheim hat er sich selbst als "alten und baufälligen Mann" bezeichnet. So mag vielleicht sein, daß die Schätzung seines Sohnes dem wirklichen Alter näher kommt und Nickel sich nicht unter 70 Jahre herunterzumogeln wagte. Je nachdem welcher Angabe man mehr vertraut, errechnet sich das Geburtsdatum auf das Jahr 1654 oder 1662. Wir kommen hierauf später zurück.

In der Zeit vor 1700 sind wir auf die Ratsprotokolle der Stadt Wachenheim, die Schatzungsregister und die Akten der ref. Kirche angewiesen. Daneben existieren zwei Morgenbücher. Diese sind etwa mit dem heutigen Grundstückskataster zu vergleichen. Sie wurden etwa alle 100 Jahre neu angelegt. In der Zwischenzeit wurden Änderungen durch Streichungen und Einfügungen vermerkt, leider jedoch meist ohne Datumsangabe. Die beiden Wachenheimer Morgenbücher, welche für uns interessant sind, wurden im Jahre 1579 und 1666 begonnen. Die Bücher befinden sich im LA Speyer, Bestand F 2 Nr. 323.

Im Morgenbuch von 1666 ist ein Register aus der damaligen Zeit eingetragen. Dieses ist alphabetisch nach den Vornamen geordnet. Unter "N" finden sich:

Nicolaus Stempel d. alt607
Nicolaus Stempel d. jung609

Auf den angegebenen Seiten ist der Besitz verzeichnet, wobei Streichungen nicht erkennen lassen welcher Besitzstand zu einer bestimmten Zeit vorhanden war.

Im älteren Morgenbuch aufgelegt 1579 ist nur

Nicolaus Stempfly

ohne Datumangabe aufgeführt. Diese Eintragungen sind also zwischen 1579 und 1666 gemacht worden.

An dieser Stelle darf eingefügt werden, daß in dem aus dem Jahre 1584 stammenden Türkensteuerregister des kurpfälzischen Oberamtes Neustadt kein Namensträger Stempel oder Stempfli erwähnt ist.

Die Schreibweise des Namens ist chronologisch

Stempfly
Stempfli
Stempli
Stempel

Den Morgenbüchern darf also entnommen werden, daß die Generationenfolge Nickel I der Alte zu Nickel II dem Jungen bewiesen ist.

Die Ratsprotokolle der Stadt Wachenheim enthalten manchen Hinweis auf unsere Vorfahren. Dabei sind die gefundenen Eintragungen nicht immer erfreulich. Doch wären die Altvorderen ohne Schwächen gewesen, hätten wir nichts von ihnen erfahren.

Im LA Speyer liegen im Bestand U 254 nachfolgende Ratsprotokolle vor:

Nr. 51 von 1536 - 1611
Nr. 52 von 1622 - 1630
Nr. 53 von 1663 - 1682
Nr. 54 von 1679 - 1683
1686 - 1690
1726 - 1737
Nr. 55 von 1698 - 1725

Nickel II begegnet uns erstmals in den Ratsprotokollen am letzten Dezembertage 1686: "Nickel Stempli der Jünger, Schreiner, beklagt sich" im Wirtshaus "Zum Löwen" tätlich angegriffen worden zu sein. Es ergeht der Bescheid, daß die Täter das zerissene Halstuch des Nickel Stempli ersetzen müsssen. Am 1. September 1688 wird "Nickel Stempli des Schreiners Hausfrau" zur Zahlung eines Thalers wegen Beschimpfung des Feldschützen verurteilt, der sie beim Feldfrevel erwischte, ersatzweise zwei Tage Buße in der "Betzenkammer", dem Arrestraum im Rathaus.

Ebenfalls am 1. September 1688 beklagt sich Nickel Jacob über Nickel Stempli den Schreiner, der behauptet hatte sein verstorbener Bruder habe geblutet. (Nickel II war als Schreiner auch Sarghersteller). Wörtlich:

Stempli gesteht, daß weylen Jacob seine Stempli Frau
ein Huhr undt Diebin geheißen, er darauf bewogen
worden Ihme vorzuwerfen, er hätte seines bruders
S: nicht recht gewartet, darumb er geblutet.

Besch:

Weylen Stempli gleich seiner Frau bekandt daß
schwätzhafter Mäuler sich gebrauchen, undt solch un-
nütz geschwätz anderen zum exempel gestraft gehört
alß soll Stempli ein halben gulden Straf erlegen,
undt Vatter undt Sohn umb Verzeihung Bitten.

Am 25. Februar 1699:

Erschien Nicklaus Stempel und produ-
cirt einen Schein. (Schuldschein)

Am 1. Dezember 1700:

Erschien Nicklaus Stempel der Schreiner alhier und
zeigte ahn ...
zwey stück wingert ...
vor und umb 30 gülden gekauft habe.

Mittwochs den 18. ten Jan:1702

Brachte Hanß Adam Bricker Gerichtsmann von Genn-
heim vor, daß er ahn den Schreiner Nicklauß
Stempel 2 Gulden 10 Kreuzer und an dessen Vatter Seel
noch 5 Gulden zu Extendieren habe ....
.... weil uns Stempel nichts be-
weißliches vorbringen Können, also ist der
bescheid ergangen, daß Er ...

.... Weil Stempel den Hanß Adam Bricken vor Rath einen Kerl
geheißen, so soll er Straf geben ein gülden.

Der "Vatter selig," also Nickel I, ist demnach vor dem 18. Januar 1702 bereits verstorben gewesen.

Nickel II ist auch mit der zweiten Ehefrau Susanne in den Protokollen (Nr. 55 auf Seite 176 vor dem 20. September 1702) zu finden:

Eodem klagte Johannes Girßlers Frau, daß die Schreinerin
Nickel Stempels Frau alhier, weil Sie nicht gleich
nach dem Begräbnis die 7 Gulden vor ihr Bruder Kind
Todtenladen zalt habe, ausgestoßen, ein andermahl
solt ihr Hund begraben lassen. Es habe auch Nickel
Stempel selbsten Sie schon Diebsbrut gescholten.
Beklagte hierüber vernommen können sich nicht aller-
dings purgieren, und bleibt Girßlerin in confron-
tatione beständig bei ihrer Klag.
Hierauf ist resolviert worden, daß Stempel
zu Straf erlegen soll 3 Gulden.

Einige weitere Einträge haben weniger Brisanz. Sie geben allerdings auch keine familiengeschichtlich interessanten Dinge preis.

Trotz des Fehlens ganz exakter Daten kann über Nickel II doch einiges gesagt werden.

Die unsicheren Altersangaben sind erörtert. Liegt die Wahrheit in der Mitte wäre Nickel II etwa um 1657 geboren. Diese Annahme könnte zutreffen, da seine Eltern 1655 geheiratet hatten.

Mit seiner ersten Ehefrau Barbara hatte Nickel II den Sohn Johann Jakob, den späteren Stiefbruder von Johann Nikolaus. Sie ist in der Zeit zwischen der Geburt von Johann Jakob und der zweiten Eheschließung verstorben.

Im Jahre 1692 heiratet Nickel II Susanne, verwitwete Reiz, in Heidelberg. Im Copulationsverzeichnis in Heidelberg ist auffällig, daß alle eingetragenen Trauungen der gleichen Kirchenbuchseite, zwischen Wittwen und Wittwern stattfanden. Aus der Erbteilung von 1732 wissen wir, daß Susanne, neben anderen Gütern, ein Haus in Wachenheim mit in die Ehe brachte. Der Name Reiz ist mir jedoch in den Wachenheimer Akten nicht begegnet. Ebenfalls aus den Erbteilungsakten kommt der Hinweis auf Germersheim, woher 30 Gulden aus dem Erbe des ersten Mannes gezahlt worden waren.

Aus dieser Ehe mit Susanne stammt Johann Nikolaus der Ahnherr der pfälzischen Stempel - Linien und ältester Vorfahre im Frankfurter Stammbaum der Familie Stempel.

Nickel II war Schreinermeister und gehörte der Schreinerzunft an. Dies wissen wir aus den Kirchenakten. (LKA Speyer Abt. 44 Nr. 72)

Es wurde bei den Wiederaufbauarbeiten an der Kirche in Wachenheim in den Jahren 1711 - 1713 ein Schreiner abgelehnt, da er nicht in der Zunft war. Am Kirchenbau war Nickel mit den Schreinerarbeiten beteiligt. Auch fertigte er "eine saubere Kanzel und die Herrenstühle" und auch "die Bänke" an.
Zitiert nach: Fritz Wendel "Geschichte der Stadt Wachenheim.

Nickel II wurde zum zweitenmal Wittwer. Susanne verstarb 1726 im Alter von 73 Jahren. Sie wäre, stimmten die Angaben von Nickel, dann 9 Jahre älter als er gewesen.

1732 wandert Nickel II "als alter und baufälliger Mann" mit seinem Sohn aus erster Ehe Johann Jakob und dessen Familie nach Amerika aus. Die Überfahrt erfolgte mit dem Schiff "Mary," die Ankunft am 26. September 1732. Das Schiff "Mary" brachte 69 Männer über 16 Jahre, 120 Weiber und Kinder.
Zitiert nach: Daniel Rupp "30 000 Namen von Einwanderern nach Pennsylvanien."

Dort verlieren sich die Spuren - bis jetzt.

Die große amerikanische "Stemple-Family", die ihre Abstammung auf "Nicholas" zurückführte kommt nicht aus diesem Zweig.

Nächstes Kapitel:  Nickel I